mit Katja, Kristiina, Karsten, Raphael, René, Stephan und Volker
Damit möglichst viele dabei sein konnten, trafen wir uns ausnahmsweise mal an einem Donnerstag. Mit dabei war Karsten, der uns nicht nur tatkräftig beim Lasagne-Essen unterstützte, sondern uns auch beim Thema fachkundig zur Seite stand.
Ausgangspunkt war die Geschichte in 1. Mose 16. Nachdem Sarah und Abraham viele Jahre lang vergeblich auf den von Gott verheißenen Nachwuchs warteten, nahmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand und Abraham zeugte mit der Magd Hagar einen Sohn, nämlich Ismael. Erfreulich ist, dass Gott trotz dieses schweren Fehlers an seinen Versprechen für Abraham festhält. Erfreulich ist auch, dass Gott Hagar und Ismael nicht als Übel sieht, sondern einen Plan für sie hat. Aus Ismael ensteht ein mächtiges, wildes, kämpferisches Volk. In diverser Literatur wird er als Stammvater der arabischen Völker gesehen. Und diese Ansicht teilt sogar der Koran, bloß dass dort die Geschichte aus 1. Mose 16 anders interpretiert wird: Abraham heiratet angeblich Hagar und Ismael ist die Erfüllung von Gottes Verheißung. Folglich schreibt Gott bzw. Allah seine Geschichte hauptsächlich mit Ismael weiter und nicht mit Isaak. Hier trennen sich die Wege von Islam und Judentum/Christentum.
Das war dann auch unser weiteres Thema im Hauskreis: Die Unterschiede zwischen Islam und Christentum. Wesentlich ist dabei das unterschiedliche Verständnis von Jesus Christus. Im Koran wird er als wichtiger Prophet gesehen und es ist sogar die Rede davon, dass er heilte und Tote auferweckte (am Ende von Sure 5). Womöglich ist dies das einzige Mal, dass im Koran von - abgesehen von Schöpfungswundern - von einer Wundertätigkeit die Rede ist. Ebenfalls in Sure 5 warnt Allah allerdings davor, Jesus und Maria als Gott zu verehren (hier kommt wahrscheinlich die islamische Vorstellung über die christliche Dreieinigkeit her - Gott, Jesus und Maria). Darüber hinaus wird in Sure 4 geleugnet, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Zwar habe es eine Kreuzigung gegeben, doch sei die Person verwechselt worden, so dass ein anderer starb. Eine etwas einfältige Erklärung. Es wird behauptet, Jesus sei (wie auch die anderen großen Propheten) nicht gestorben und in den Himmel erhoben worden. Somit entfällt im Islam das Thema Vergebung durch das Blut am Kreuz.
Als wesentliches Merkmal des Islam stellte Karsten das Einhalten von Regeln heraus. Man müsse dann als Moslem am Lebensende hoffen, dass die guten Taten schwerer als die bösen wiegen und es zum Erreichen des Paradieses reicht. Das Christentum hingegen ist von Vergebung und Freiheit geprägt. Das erscheint jedoch vielen Moslems als wenig attraktiv. Vergebung wirkt auf viele als ungerecht und Freiheit von Regeln wird oftmals gar nicht erwünscht, schließlich geben Regeln sozusagen einen Kick, wenn man es schafft sie einzuhalten und sie bieten etwas Verbindendes zu den Menschen, die die Regeln ebenfalls einhalten müssen. Außerdem kann man Allah nach der Gebetszeit abhaken, während man als Christ in ständiger Verbindung zu Gott leben soll.
Karsten will eine Doktorarbeit über das Thema Wunder im Islam und im Christentum schreiben. Der islamische Allah hat sich offenbar aus dem Weltgeschehen zurückgezogen und greift nicht in das Leben der Menschen ein. Als Christen jedoch haben wir einen Gott, von dem wir ein Eingreifen erwarten dürfen und der Naturgesetze außer Kraft setzt, um seinen Kindern zu helfen.
Apropos Wunder. Am Tag nach unserem Hauskreis stellte sich noch Folgendes heraus: Genau zu der Zeit, als wir über das Islam und Christentum sprachen, hatte Jessica, die auf einem Pflegelehrgang in Herdecke war, ein bemerkenswertes Gespräch. Sie suchte auf dem Lehrgang abends eine junge Frau auf, die sich als Christin zu erkennen gab. In demselben Zimmer nächtigte aber auch eine Muslimin. So kam es, dass die drei zeitgleich mit uns ebenfalls über die Unterschiede von Christentum und Islam sprachen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen